Dienstag, 31. Juli 2018

Das Zitat zum letzten Julitag.



"Nicht zu vergessen: Opfer werden unansehnlich. Es fällt immer leichter, sich nicht mit ihnen zu identifizieren, sie der eigenen Angst zu opfern. Alles wird möglich, wenn man Unrecht gesetzlich verankert. Und wenn man Unrechtsgesetze befolgt. Zum Schluss bleibt nur die Monotonie des Ungeheuerlichen, da Usus."
Peggy Parnass, Prozesse (1990)


Jeder dieser Sätze - insbesondere aber der zweite - ist aktueller denn je. Oder wohl einfach zeitlos gültig. Peggy Parnass, deren ungekürzte Gerichtsreportagen der Band versammelt, war - leider - ein Unikum in jenen Tagen (und ist es noch immer), eine Beobachterin, die sich für die Opfer und für das Unrecht in der Rechtssprechung, nicht für das Sensationelle und das Verurteilende interessierte. Und das in einer Zeit, von 1970 bis 1985, in der noch zahlreiche alte Parteigenossen über NS-Massenmörder milde Urteile fällten, während andererseits hysterische Politprozesse gegen vermeintliche linke Terrorsympathisanten wieder groß in Mode kamen, Polizeigewalt ein Kavaliersdelikt war und Homosexuelle und Abtreibungsgegner mit harten Strafen zu rechnen hatte. Manches hat sich geändert, manches verschärft. Parnass fühlte sich manchmal einsam und resigniert, wer die Reportagen liest, kann das gut nachvollziehen. Aufgegeben hat sie trotzdem nicht. Ein großes und mutiges Werk, dem man viele Leser*innen - und vor allem viele Nachfolger*innen wünscht!   



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