Arthur
Machen: Furcht und Schrecken.
Völlig
angemessen starten wir in den diesjährigen Gruselmonat nicht nur mit einem
Großmeister wie Arthur Machen (1863 bis 1947), sondern zugleich mit einem
seiner Werke, das von Beginn an fesselnd ist, ein Pageturner, wie man
neuerdings auch hierzulande zu sagen pflegt. Ein Journalist stößt auf zwei
tragische, aber an sich – angesichts der allgemeinen Zeiten, wir befinden uns
mitten im Ersten Weltkrieg – nicht besonders aufsehenerregende Ereignisse: Ein Kampfpilot
stürzt nach einem Zusammenstoß mit einem Vogelschwarm ab, in einer britischen
Munitionsfabrik kommt es zu einer Explosion. Aufgrund des allgemeinen
Abschlachtens gehen diese beiden Unfälle in der Berichterstattung scheinbar
unter, doch der Protagonist wird stutzig, als er so überhaupt gar keine
Informationen in der Presse über diese Vorgänge finden kann, das einzige
Lokalblättchen, das über einen der beiden berichtet hatte, ist daraufhin sofort
verstummt. Obwohl die beide Vorkommnisse scheinbar geographisch und vom
Geschehen her weit auseinanderliegen, beginnt der Journalist einen Zusammenhang
zu ahnen und recherchiert selbst. Dabei stößt er auf weitere Unfälle in einer
abgelegenen Gegend in Wales, die sich nicht nur häufen, sondern von denen bald
klar wird, dass sie kaum mehr zufällig zustande gekommen sein können, da es
sich bald um handfeste Gewalttaten handelt: Menschen werden erschlagen
aufgefunden, abgestürzt oder von Tieren angegriffen. Und wieder schweigt die
Presse. Bald stellt sich heraus, dass nicht nur diese Region betroffen ist: Überall im Land, selbst in den Großstädten, kommt es zu immer mehr tödlichen
Vorfällen unterschiedlichster Natur. Das Militär wird an allem Ecken und Enden präsent, aber die
Behörden schweigen sich offiziell aus. Haben die Deutschen ein bisher
unbekanntes Mittel gefunden, Großbritannien auf eigenem Boden anzugreifen, ist
das Land längst infiltriert? Oder steckt noch etwas ganz anderes hinter den
mehr und mehr um sich greifenden Gewalttaten? Furcht und Schrecken, Paranoia
und Hysterie haben sich längst ausgebreitet. Machen gelingt am Ende das geniale
Kunststück, eine – mögliche – rationale Erklärung für all die Ereignisse
anzubieten, deren Ursache jedoch im Vagen zu lassen – überhaupt beweist er in
dem Buch nicht nur ein Talent für rasante Spannung, sondern auch zum in die
Irre leiten seiner Leser:innen. Der kurze Roman war unter anderem inspirierend
für Daphne du Mauriers Erzählung „Die Vögel“ und die später hieraus entstandene
Verfilmung von Alfred Hitchcock.
Carlos
Fuentes: Unheimliche Gesellschaft.

Gehört
Arthur Machen zu den Großen des Genres, so gehört Carlos Fuentes (1928 bis
2012) zu den Größen der Weltliteratur. Der Durchbruch geling dem mexikanischen
Schriftsteller, der seinem Land auch als Diplomat diente, mit dem Aufstieg der
lateinamerikanischen Literatur seit den 1960er Jahren, der Autoren von Marquez
über Vargas Llosa bis Paz und viele mehr international bekannt machte. Man darf also
hohe Erwartungen stellen an diesen Band mit „sechs phantastischen Erzählungen“
– so der Untertitel. Und soviel sei gleich verraten, man wird alles andere als
enttäuscht. So soll der junge Alejandro, der in Spanien bei seiner Mutter lebt,
um versorgt zu sein, nach Mexiko zu deren beiden Schwestern reisen – dies ist
der letzte Wunsch der im Sterben liegenden Frau. Alejandro, ein
aufgeschlossener, lebenslustiger Kerl, fliegt folglich nach deren Tod zu den
beiden ihm völlig unbekannten alten Damen, die sich reichlich seltsam gebärden.
Nicht nur sind sie heftig zerstritten – sie leben in dem heruntergekommenen
Haus völlig nebeneinander her, sprechen nur im Streit miteinander –, vor allem
verlassen sie das Gebäude nie. Doch Alejandro kommt immer mehr verdächtig vor:
Warum wird er, längst erwachsen, mit Kinderkram beschenkt? Wieso darf der
Haupteingang des Hauses nicht betreten werden? Und hat eine der beiden
Schwestern versucht, ihn zu vergiften? Fuentes' Geschichten interessieren sich
für das Zwischenmenschliche, die Gespenster, die hier wiederkehren, haben
Beziehungen zu den von ihnen Aufgesuchten, nicht selten geprägt von
persönlicher oder historischer Schuld. Und so begegnen wir einem eifersüchtigen
Ehemann, der seine Frau zugrunderichtet, die ihm aber auf unerwartete Weise entkommen
wird. Einer bösartigen Mutter und ihrer Katze, die als letzter Widerstand vor
der Rache der misshandelten Ureinwohner ihre Familie verteidigt. Graf Vlad, einem
alten Bekannten aus Rumänien, der sich in Mexiko ein neues Betätigungsfeld
sucht. Einem voyeuristischen Theaterliebhaber, der einer stummen Ophelia
nachjagt oder einem seltsamen Deutschen, der in der mexikanischen Wüste lebt
und einen Arzt bittet, seiner deutlich jüngeren, aber schwerkranken Frau zu
helfen. Ein Wort für dieses Buch genügt: Meisterlich.
Richard
Dalby (ed.): Dracula’s Blood.
Herausgeber
Richard Dalby hat es sich angelegen sein lassen, Vampirgeschichten
zusammenzusuchen, die kurz vor und kurz nach Erscheinen des maßgeblichen
Stokerschen Werkes, auf das er schon mit seinem Titel anspielt, geschrieben
worden sind, wobei er besonders darauf achtete, Texte vorzustellen, die schwer
zugänglich sind oder überhaupt in dem Buch zum ersten Mal veröffentlicht
werden. Große Namen wie Arthur Conan Doyle und M.R. James bilden folglich die
Ausnahme, es sind noch einige Autor:innen dabei, die Kenner:innen des Genres
naturgemäß bekannt sind, aber es findet sich tatsächlich allerhand
Entdeckungswürdiges in der Anthologie. Das gilt auch deshalb, weil alle Texte
einen qualitativen Standard einhalten und sich literarisch auf einem guten
Niveau halten – was folglich vermuten lässt, dass allein aufgrund der Menge der
hier aufgenommenen Texte, noch ein weitaus größerer Bodensatz wesentlich
weniger anspruchsvoller Erzeugnisse in jenem an sich überschaubaren Zeitraum
entstanden sein dürfte. Woran die Geschichten eher schon kranken, ist unser
Nach-Wissen. Die jeweilige Spannung, was wohl mit der Person los ist, die da so
plötzlich schwächlich, anämisch und von seltsamen Malen am Hals befallen ist,
mag sich nicht mehr so recht einstellen, natürlich erst recht nicht, wenn man
gerade eine reine Vampir-Anthologie in der Hand hält. Sicher, das weiß man
vorher, aber es lässt sich gleichwohl schwer ausblenden. Abgesehen von diesem –
zudem oft redundanten – Überraschungseffekt ist aber Grusel durchaus gegeben,
vor allem bei Erzählungen, die von üblichen Schemata abweichen. Eine
interessante Variante ist hierbei ein – offenbar von den Spätviktorianern
gefürchteter – Vampirismus durch Pflanzen, ein Motiv, das nicht nur einmal
auftaucht. Bleibt nur sich zu wiederholen: insgesamt ein sehr gelungener,
abwechslungsreicher Sammelband.
Marek
Wydmuch, Franz Rottensteiner (Hg.): Gespenstergeschichten aus Polen.
In
der Länderreihe aus der Serie des Fischer-Verlages mit Gespenstergeschichten
geht es diesmal also nach Polen. Anfangs fühlt man sich sehr schnell an den
Band zu den baltischen Staaten aus dieser Reihe erinnert, zu sehr wirken die
ersten Texte recht altbacken und haben eher Sagenthemen zum Gegenstand als
wirklich schauerliche Ereignisse. Auch mit der Anwesenheit von Gespenstern
hapert es, wiederum scheint dieses Etikett irreführend, ‚phantastische oder
unheimliche Geschichten‘ hätte es weitaus besser getroffen. Dieses Manko bleibt
dem Bändchen erhalten, Geister sind Mangelware, aber das Niveau steigt nach
diesen enttäuschenden Einstiegsgeschichten trotzdem deutlich an. Während
Nobelpreisträger Reymont noch ein traditionelles Motiv modern umgesetzt
aufgreift, darf mit dem polnischen Großmeister der Phantastik Stefan Grabinski
endlich auch Überraschendes Einzug halten. Wobei Einzug wörtlich zu nehmen ist,
handelt es sich doch tatsächlich um einen Zug. Fortan entfaltet der Band seine
Möglichkeiten und verwöhnt mit einer Bandbreite guter bis sehr guter
Erzählungen, in der das Unheimliche oft schleichend in den Alltag eintritt. Ist
man dort angekommen, bedauert man schließlich doch noch die Kürze des
Buches.

Peter
Daniel Wolfkind: Die Boten des Frühlings.
Der
unter dem Pseudonym Peter Daniel Wolfkind publizierende österreichische Autor
Peter Vujica (1937 bis 2013), zugleich Komponist und Librettist, Intendant des
Steirischen Herbstes und somit im Kulturleben der Alpenrepublik bestens vernetzt,
hatte im Literarischen eine Vorliebe für die Phantastik. Dabei siedelte er die
gelungensten seiner Geschichten im anfangs unscheinbaren Alltag der Gegenwart
an, der sich unerwartet von der Normalität wegentwickelt. So etwa beim Besuch
des erstaunlich heruntergekommenen Touristenortes St. Wolfgang oder bei der
Unterhaltung eines Heuschnupfenkranken mit einem Rentner, der seinen Hund
spazierenführt und dem Leidgeplagten Allergiker zu helfen verspricht. Auch einem
Besucher eines grausamen Theaterstückes in Paris scheint zu Beginn eher das
Glück hold, als es ihm gelingt, eine der Darstellerinnen, die ihm auf der Bühne
aufgefallen war, nach Ende der Aufführung zu einem Rendez-Vous zu überreden.
Doch die Frau hat seltsame Vorstellungen und der Protagonist ist bald nicht
mehr so sicher, ob er nicht einen Fehler gemacht hat, auch wenn er von der
Faszination der Frau nicht loskommt. Die titelgebenden „Boten des Frühlings“ sind
keine Blümchen, sondern eine Faschingsveranstaltung, die – in einer clever
verschachtelten Geschichte – beängstigende Auswüchse zeitigt. Während die erste
Erzählung noch recht zäh daherkommt, gewinnt das Buch spätestens nach dem
Besuch in St.Wolfgang – der von der dortigen Tourismuszentrale sicher nicht als
Aushängeschild genutzt wird – eindeutig an Fahrt.
Volker
Just: Der Turm.
Man
kann darüber streiten, ob der Untertitel „Dreizehn unheimliche Kurzgeschichten“
in Bezug auf das Adjektiv einen Etikettenschwindel darstellt. Wenn, dann ist es
sicher kein böswilliger, und letztlich ist der Leser oder die Leserin –
hoffentlich – auch nicht allzu enttäuscht, dass ihm hier nicht nur Erzählungen
angeboten werden, die dem üblichen engeren Verständnis von „unheimlich“
entsprechen, also eindeutig der Phantastik zuordenbar sind. Die gibt es in dem
Büchlein auch, manche, wie etwa die titelgebende Geschichte, liegen irgendwo
dazwischen, unheimlich sind sie an sich alle aufgrund des Bruches, der in ihnen
geschieht und den Alltag verändert. Angesiedelt zumeist an einem wässrigen
Milieu, sprich der Küste, in Seefahrerkreisen oder am Bodensee, tritt für die Protagonist:innen
ein Ereignis ein, das nicht selten verstörend ist: Ein Haufen rauchender
Christbäume zum Beispiel oder ein Hollywood-Produzent, der einer darbenden
Werft einen spektakulären Untergang verschafft. Dank ihrer nüchternen Erzählweise
lesen sich die Kurzgeschichten Volker Justs (geboren 1937) am besten, wenn sie
sich von zuviel Symbolismus freihalten, und nehmen einen sehr schnell für sich
ein. Es gibt also keinen Grund, etwas zu bereuen, falls man sich vom leicht
irreführenden Untertitel hat auf eine vermeintlich falsche Fährte locken
lassen.
Lieselott
Baustian: Loewes Gruselkabinett.
Loewes
ist an sich ein klassischer Kinder- und Jugendbuchverlag, wovon man sich
allerdings keinesfalls abhalten lassen sollte, zu dieser Anthologie zu greifen.
Gedacht ist sie wohl für ältere Jugendliche, sicher nicht für Kinder, insgesamt
stellt sie eine sehr gute Einführung in die Phantastische Literatur überhaupt
dar. Denn sie versammelt zahlreiche Klassiker – von Dickens über Twain, von
Knut Hamsun über Théophile Gautier bis Maupassant und Tschechow – aber
natürlich auch die Meister des Genres, Le Fanu, Bierce, Blackwood, Stoker, M.R.
James und so fort. Erweitert werden diese Auftritte der Großen durch
eingestreute unbekanntere Autor:innen und auch Seitenblicke auf andere
Kontinente als nur Europa und Nordamerika. Ma kann immer das ein oder den
anderen vermissen, aber in diesem Fall darf man getrost sagen, aufgrund der
Auswahl und der Mischung ohne Zweifel eine sehr gute Einführung in das Genre –
und damit wiederum seinen wohl ursprünglichen Zweck, junge Leser:innen dieses
nahezubringen, bestens erfüllend.
Peter
Haining (Hg.): Die Damen des Bösen.
Peter
Haining (1940 bis 2007) ist jedem, der sich mit dem Thema des Unheimlichen im
weitesten Sinne beschäftigt, alles andere als ein Unbekannter. Er hat unzählige
Bücher in diesem Bereich verfasst, Lexika über Gespenster und Vampire,
zahlreiche Berichte über Spukphänomene veröffentlicht, selbst in diesem Bereich
geforscht, und sich vor allem sehr große Verdienste erworben bei der Suche nach
heute vergessenen oder kaum noch zugänglichen unheimlichen Geschichten, die er
in Anthologien neu herausgegeben hat. Zu diesen gehört auch dieser Band aus
Fischers „Bibliothek der phantastischen Abenteuer“, der sich ausschließlich auf
von Frauen geschriebene Gruselgeschichten der viktorianischen Epoche
beschränkt. Dabei kam alles andere als ein dünnes Heftchen heraus – Haining
musste sich stark beschränken – noch ist der krampfhafte Versuch erkennbar,
halbwegs das Niveau zu halten. Die Produktivität der Damen war erstaunlich und
so ergaben sich – unter sicher vielen durchschnittlichen bis zurecht
vergessenen – nicht wenige kleine Meisterwerke dieses in jener Epoche natürlich
ohnehin sehr beliebten Genres. Große Namen – Mary Shelley, George Eliot – sind
darunter, bekanntere wie Elizabeth Gaskell, aber auch eine anonyme
Schreiberin. Je mehr man sich dem Spätviktorianismus nähert, desto besser wird
das Buch – was auch an der Tendenz liegt, die Geschichten aus der Vergangenheit
stärker in die Gegenwart zu verlagern. Eine schöne Kostprobe ist Charlotte
Riddels „Sandy, der Kesselflicker“ über einen Priester, den Alpträume plagen,
in denen er schließlich aus Verzweiflung dem Satan verspricht, eines seiner
Gemeindemitglieder, einen liederlichen Tunichtgut, der aus seiner Sicht ohnehin
in der Hölle landen wird, zu einem bestimmten Termin an seiner Statt zu
überlassen. Ist das ganze nur eine Wahnvorstellung, wie ihm seine Freunde
versichern? In jedem Fall ist schon sein schlechtes Gewissen Grund genug, den
Priester spätestens jetzt in den Wahnsinn zu treiben. Was wird am Mittwoch, dem
vorbestimmten Tag, passieren? Mit Amelia
Edwards „Die Phantomkutsche“ enthält das Buch außerdem, diese persönliche
Bemerkung sei erlaubt, eine der Lieblingsgeschichten des Autors dieser Zeilen…
Sir
Andrew Caldecott: Not Exactly Ghosts.

Zu
erzählen hatte Sir Andrew Caldecott (1884 bis 1951) sicher nicht wenig, war er
doch über Jahrzehnte ein hochrangiger Diplomat und Verwaltungsbeamter in
Diensten des britischen Empires, kurzzeitig stand er der Kronkolonie Hongkong
vor, im Zweiten Weltkrieg dann schließlich diente er als Gouverneur von Ceylon
alias Sri Lanka. Weniger erstaunlich war folglich, dass er, kaum im Ruhestand,
ein Buch veröffentlichte, eher schon überraschend, dass sich "Not Exactly Ghosts"
dem Genre des Unheimlichen in einem guten Dutzend Geschichten widmete.
Caldecott hatte sich an M.R. James geschult – und das ziemlich gut, schließlich
kann man sich weitaus schlechtere Vorbilder nehmen, läuft dann aber natürlich
Gefahr, an diesen hohen Ansprüchen zu scheitern. Das passierte ihm nicht, die
Erzählungen, in denen, ganz gemäß dem Titel, selten Gespenster im
eigentlichen Sinn eine Rolle spielen, sind noch einmal wunderbare Beispiele
post-viktorianischen Grusels. Statt der Geister sind es oft Gegenstände oder
Räume, die das Unheimliche heraufbeschwören, ein Zimmer in einem Pfarrhaus, das
nicht betreten werden soll, ein Schreibtisch, der seine Besitzer dazu
verleitet, seltsame Texte zu verfassen, ein Brunnen, der schreiende Geräusche
von sich gibt. Caldecott schafft noch einmal die sehr britische Atmosphäre des
subtilen Horrors, angesiedelt in Landsitzen und Pfarrhäusern oder
Gouverneurssitzen der Kolonien, umhergehend unter der gebildeten oder
aristokratischen Oberschicht, die er mit leichter Ironie und Kritik – etwa an
der Arroganz der Kolonialbeamten – in einem sachlich-nüchternen Stil
beschreibt. Das Buch war in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein großer Erfolg.
Caldecott ließ mit „Fires Burn Blue“ noch eine weitere Sammlung folgen, die
allerdings nicht mehr ganz an den Vorgänger heranreicht. Beide Bände sind in dem
vorliegenden Buch enthalten, somit kann man sich mit dem Gesamtwerk des geistreichen
Diplomaten bekannt machen – ein großes Vergnügen.
Stephen
King: Alpträume.
Der
bekannteste und unzweifelhaft erfolgreichste Schriftsteller der Gegenwart in unserem Sektor, Stephen King (geboren 1947), ist sicher der passende Abschluss für den diesjährigen
Grusellektüremonat und so widmen wir uns seinem Erzählungsband "Alpträume" – im Original
„Nightmares and Dreamscapes“ vom Anfang der 1990er Jahre. Im Vorwort versichert
King, hier nur neues, nicht Schubladenmaterial zu veröffentlichen – im ebenfalls
existierenden Nachwort, beides immer durchaus mit Gewinn zu lesen, gibt er dann
noch Auskunft über die Entstehung der einzelnen Geschichten –, trotzdem bekommt
man, ganz neutral betrachtet, das von ihm Erwartbare. Manches bewegt sich mehr
im Bereich Thriller – etwa die Rachegeschichte eines Mannes, der mit sehr viel
Aufwand den Mörder seiner Frau in eine Baustellengruppe locken möchte – anderes
geht sehr in Richtung Ekelhorror, etwa „Der rasende Finger“. Dazwischen findet
sich allerhand von mal Subtilerem („Es wächst einem über den Kopf“) bis hin zur
klassischen Zombie-Apokalypse-Story („Hausentbindung“). Wie gesagt, man wird
nicht eigentlich überrascht, aber bekommt, was man verdient, wenn man ein
King-Buch in die Hand nimmt. Allerdings sollte man besonders in diesem Fall
unbedingt zum Original greifen. Nicht einmal, weil die Übersetzung völlig mies
wäre, sondern weil die deutsche Ausgabe vor teilweise bizarren Druckfehlern
geradezu strotzt. Es sei denn, man nimmt dies als zusätzlichen Amüsierbonus
beim Lesen mit.