Dienstag, 11. September 2018

Lektüremonat August 2018.

 
Wolfgang Ecke’s Kriminalmagazin 1


…ist eine Anthologie von fünf Geschichten klassischer britischer Krimiautoren: Agatha Christie, Edgar Wallace, G.K. Chesterton und Dorothy Sayers. Geschichte Nummer fünf stammt vom Herausgeber Wolfgang Ecke (1927-1983) selbst, einem der erfolgreichsten Kriminalschreiber – für Jugendliche. Der vorliegende Band richtet sich allerdings vorwiegend an Erwachsene – und hier wiederum an die Liebhaber*innen herkömmlicher, insgesamt etwas angestaubter Krimikost, die, stets Gefahr dieses Genres, mal mehr, mal weniger an ihrer Konstruiertheit leidet, besonders auffällig in diesem Fall bei Dorothy Sayers. Als schnelle Urlaubslektüre trotz des grammatikalisch fragwürdigen Titels gerade noch so erträglich…   
 

Roald Dahl: Danny oder die Fasanenjagd.

In jüngerer Zeit sind einige von Roald Dahls (1916-1990) Jugendbüchern sehr erfolgreich auf die Leinwand zurückgekehrt, darunter „Der fantastische Mr. Fox“ und „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Ob dies auch „Danny oder die Fasanenjagd“ widerfährt, ist dagegen eher fraglich. Die Geschichte eines neunjährigen Jungen, der allein mit seinem Vater in einem alten Zirkuswagen wohnt und die gemeinsam eine Tankstelle mit Werkstatt betreiben, weist zwar das übliche Inventar an mehr oder weniger kleinen Bizarritäten auf, doch wirkt das Hauptthema, des Vaters heimliche Leidenschaft für Fasanenwilderei – die er seit Generationen mit den Dorfbewohnern vom Polizisten bis zum Pfarrer teilt – ebenso altbacken wie der Humor, der so dezent ist, dass er fast verschwindet, und die klischeehafte Zeichnung der einzelnen Figuren. Übertroffen wird das Ganze nur noch von der ebenso naiven wie überflüssigen Moral am Ende der Geschichte. Insgesamt dröge.
 

Monika Sperr: Treffpunkt Froschweiher.

„…oder die Sache mit dem Fahrrad.“ Was in Titel und Untertitel so harmlos klingt, ist die Geschichte eines 15jährigen, der aufgrund der Verkettung mehrerer Umstände einige Wochen im Jugendstrafvollzug der JVA München-Stadelheim zu verbringen hat. Pubertärer Übermut, Verdruss zuhause, falsch verstandene Solidarität auf der einen, eine glückliche erste Liebe, verständnisvolle Lehrerinnen und ein Gutteil Einsicht prägen das Leben des Mitläufers Maxi, das Monika Sperr (1941-1984) in ihrem kurzen Roman beschreibt. Auch hier könnte man sich fragen, ob nicht das ein oder andere etwas zu stark dem Klischee zuneigt – böser Vater, falsche Freunde – doch basiert der Text größtenteils auf den Unterlagen und den Recherchen eines Originalfalles. Ob das Zusammenleben und vor allem der Zusammenhalt unter den Insassen des Jugendknasts tatsächlich so vergleichsweise harmonisch ist, sei dahingestellt, vielmehr ist es zu begrüßen, dass Monika Sperr eben nicht versucht, das inzwischen übliche Bild größtmöglicher Drastik zu zeichnen, sondern sie sich für ihre Charaktere interessiert, die weder Unschuldslämmer noch verwahrloste Monster im Frühstadium sind. Deshalb gibt es am Ende auch ein entsprechendes Urteil. Unser Urteil: immer noch lesenswert!
 

Anna Katharina Hahn: Am schwarzen Berg.

Es gibt bestimmte Themen, über die man eigentlich nie etwas lesen möchte. Ganz oben auf dieser imaginierten Liste steht das Leben der oberen Mittelschicht in einer gediegenen Stuttgarter Vorortsiedlung, Lehrer und Ärzte mit ihren Frauen, alle kurz vor der Pensionsgrenze. Zum Beispiel. Aber vielleicht ist das ein böses Vorurteil und wir werden überrascht – insbesondere wenn sich eine bewährte Schriftstellerin wie Anna Katharina Hahn (geboren 1970) des zweifelhaften Themas annimmt. Zumindest verfällt sie nicht der wohlfeilen Versuchung, aus dem Ganzen eine Satire zu machen. Stattdessen setzt sie allerdings auf einen Hyperrealismus, also eine sehr kleinteilige Beschreibung, die Markennamen statt Gattungsbegriffe verwendet (Zewa statt Küchenrolle etc.), jeden Weg akkurat à la Stadtplan beschreibt, jeder Straßenname, jedes Gebäude wird exakt benannt, zudem jede körperliche Scheußlichkeit vom Eiterpickel bis zum Speichelfaden genauestens geschildert. Das kann, muss man aber auf Dauer nicht mögen – und nervt vor allem in den Ortsbeschreibungen. Der Plot ist simpel: Der erwachsene Sohn der einen Nachbarsfamilie kehrt verwahrlost zurück, alle rätseln, warum, es stellt sich schließlich heraus: Frau und Kinder haben ihn verlassen. Dabei fand „Peterle“ doch Mörike toll, hat sich für Stuttgart-21 engagiert, beziehungsweise dagegen, und ist ein freigeistiger Heilpraktiker. Nur einem bestimmten Stuttgarter Milieu kann es da vermutlich tatsächlich unbegreiflich vorkommen, warum man so einen Kerl, der nun vor sich hinmüffelnd in Selbstmitleid zerfließt, nicht lieben kann. Anna Katharina Hahn aber ist es gelungen, alle unsere Vorbehalte diesem Milieu gegenüber zu bestätigen. Falls sie dies mit ihrem Roman erreichen wollte, dann ist er ein Meisterwerk.  
 

Achim Bröger: Flammen im Kopf.

Der erfahrene Jugendbuchautor Achim Bröger (geboren 1944), sonst Experte für die Schilderung erster Liebeserfahrungen, widmet sich in seinem kurzen Roman dem Thema Schuld. Gemäß alter Tradition versuchen fünf Jugendliche, das Osterfeuer des Nachbardorfes vor dem eigentlichen Termin abzufackeln – was ihnen auch gelingt. Allerdings gerät dabei einer der Wachposten der feindlichen Dorfjugend in die Flammen und verbrennt. Die fünf Kinder sind fortan auf der Flucht – vor der Polizei, der Rache der Dorfbewohner, der Angst vor den Eltern und der eigenen Tat. Nachdem anfangs einer der Jugendlichen etwas „turbostark“ findet – ein Ausdruck, den wahrscheinlich noch nie jemals irgendwann ein Teen verwendet hat – fürchtet man schon, in einen dieser Jugendromane geraten zu sein, wo erwachsene Autoren besonders cool erscheinen wollen. Doch weit gefehlt, Brögers Buch entwickelt sich zu einem spannenden Roman mit verschiedenen Perspektiven, Einblick in die Gruppendynamik, Interesse an den Figuren und immer wieder der Frage, welches Handeln das Richtige (gewesen) wäre.
 

Frederik Hetmann, Harald Tondern: Die Nacht, die kein Ende nahm.

Weiter geht’s in der legendären Rotfuchs-Reihe, der schon die Bücher Dahls, Sperrs und Brögers entstammten. Dem Jugendroman des Autorenduos Hetmann (1934-2006)/Tondern (geboren 1941) merkt man die Entstehung Anfang der 1990er Jahre deutlich an, als die Gewalt von Rechts erkennbar anstieg und in Rostock, Mölln und Solingen traurige Höhepunkte erfuhr. „In der Gewalt von Skins“, so der Untertitel, befindet sich eine Berliner Schulklasse eine ganze Nacht in einem Mecklenburger Ferienheim. Formal ist das Ganze zwar ausgeglichen – die Perspektiven wechseln zwischen Schüler*innen, Lehrern, aber auch den Skins – insgesamt jedoch etwas bemüht, auch nah am Plakativen. Ein Vorwurf ist dies letztens nicht – das Berichtete basiert auf einem realen Vorfall. Hoch anzurechnen ist den Autoren auch, dass sie keine Heldengeschichte erzählen, sondern auf die Ignoranz, aber auch die Hilflosigkeit vieler ihrer Figuren eingehen. Trotz Schwächen eine wichtige Lektüre.
 

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war.

Der Untertitel von Meyerhoffs (geboren 1967) Nachfolgeroman zu seinem Amerika-Buch „Alle Toten fliegen hoch, Teil 2“ scheint eine Fortsetzung anzudeuten und beim Lesen dann eher ein Prequel zu sein, ist aber weder das eine noch das andere und doch beides. Der Untertitel ist trotzdem nicht falsch, denn schon die ersten Zeilen deuten an, dass es hier keineswegs nur um die Kindheitserlebnisse des jungen Joachim gehen wird, wie gewohnt vordergründig leichthändig, locker und lustig erzählt, sondern um die traurigen Ereignisse jener Tage, den Tod des Bruders, des Hundes und des Vaters. Letztere ist die Figur, die – neben dem Erzähler – den Angelpunkt des Textes darstellt, auch wenn der Roman mehr ist als nur eine Hommage an den schwer fassbaren Vater, sondern ein Familienportrait in äußerst ungewohnter Umgebung. Berufsbedingt wohnt die Familie nämlich im zentralen Gebäude innerhalb einer psychiatrischen Anstalt. Das gibt Anlass zu zahlreichen Anekdoten, die sich keineswegs über die Deformationen der Insassen lustig, aber für den Leser das in vielen Fällen doch sehr tragische Geschehen im Leben der Patient*innen und der Familie erträglicher machen. Der Text hat nichts von der Faszination des Erstlings verloren, ist ein leicht süchtig machender Roman, der auf (zum Glück bereits erfolgte) weitere Texte Meyerhoffs sehnsüchtig warten lässt.
 

Stefan Heym: Nachruf.

Stefan Heym (1913-2001) macht, was so manchem von uns wahrscheinlich auch lieb wäre: er schreibt seinen Nachruf einfach selbst, auf nicht weniger als 850 Seiten. Der Titel – über dessen Grund auf den letzten Seiten berichtet wird – ist weit weniger makaber, als es den Anschein hat – schließlich ist jede Autobiographie mehr oder weniger ein Nachruf auf sich selbst, mit der Tendenz, das eigene Erleben erfolgreicher darzustellen, als es vielleicht war – das Dilemma des Genres schlechthin. Ganz entkommt dem auch der große Schriftsteller Heym nicht, aber unzweifelhaft hat er anders als manch andere*r einiges aus seinem Leben zu erzählen. Jüdischer Herkunft, als Gymnasiast wegen eines kritischen Gedichts von der Schule geflogen, von den  Nazis gehasst, nach deren Machtübernahme verfolgt, nach Prag, dann in die USA geflüchtet, dort schwierige Zeiten, dann ein erster Romanerfolg – Heym schreibt zeitlebens die meisten seiner Bücher, auch in der DDR, erst auf Englisch – amerikanischer Staatsbürger, Eintritt in die Armee, Dienst bei der Psychologischen Kriegsführung in Europa, McCarthyismus in den Staaten, erneute Flucht durch Osteuropa, Ansiedlung in der DDR, ständige Konflikte mit der Staatsführung, Rauswurf aus dem Schriftstellerverband. Heyms Nachruf erschien 1988, es fehlen folglich – leider – seine Auftritte während der Wende, sein Einzug 1994 in den Deutschen Bundestag als Alterspräsident, begleitet von Skandalen, sein Rücktritt ein Jahr später. Ein Leben im 20. Jahrhundert, das durch die politischen Lagen und Lager geprägt war, aufgeschrieben von einem der wichtigsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Mehr kann man nicht wollen. 
 

Dave Zeltserman: 28 Minuten.

Suhrkamp-Krimi des amerikanischen Erfolgsautors Dave Zeltserman (geboren 1959), der miese Voraussetzungen mitbringt. Schon der Plot ist denkbar unglaubwürdig: vier alternde arbeitslose Programmierer planen einen Banküberfall – in Zeiten der Cybercrimes, die klassischen Raubüberfällen längst das Wasser abgegraben haben, erscheint es doch mehr als unwahrscheinlich, dass sich gerade IT-Experten auf dieses altmodische Geschäft einlassen sollten. Nun gut, einer von ihnen hat das Alarmsystem der Bank entworfen und dabei einen Fehler entdeckt: eine routinemäßige Sicherheitswartung dauert nicht wie vorgesehen 28 Sekunden, sondern 28 Minuten. Hieraus entwickelt er einen minutiösen Plan, für dessen Durchführung er seine früheren Kollegen benötigt. Es folgen weitere Krimi-Clichés: es kommt anders als man denkt, Streit nach (halb) erfolgreichem Überfall, Verbrechen lohnt sich nicht, Russen- und italienische Mafia, kluger Einzelgängerpolizist, doofe Bundesbehörden (FBI in diesem Fall). So weit, so schlimm, könnte man denken, würde Zeltserman aus all dem nicht trotzdem einen extrem spannenden Thriller basteln, der vielleicht nicht gerade brilliert, aber insgesamt bestens unterhält. Krimipflicht erfüllt. 
 

Marie Hermanson: Das englische Puppenhaus.

Ungewöhnliches aus der Feder der schwedischen Großmeisterin Marie Hermanson (geboren 1956) – gut, das würde man ja ohnehin erwarten. Ungewöhnlich ist hier das Formale, denn es handelt sich um eine Sammlung von kurzen Erzählungen Hermansons, die meisten hiervon aus den 1980er Jahren. Das dürfte einer der Gründe sein, warum die Texte eher wie Vorstufen zu den späteren Romanen wirken, als ein Ausprobieren und Herantasten. Im Gegensatz zu den Romanen konzentriert sich Hermanson in den Geschichten hier auf ein oft langsames, stilles Ineinanderfließen von Realitäten, oft ist es der Einbruch eines einzigen Ereignis in den Alltag, der allerdings selbst oft schon träumerische oder leicht bizarre Züge hat. So verschwindet eine Mitschülerin in einem Diorama des alten, bereits geschlossenen Naturkundemuseums, tauscht die Protagonistin den Platz mit dem Dienstmädchen des von ihr geliebten Puppenhauses, entsteht in einer Schneelaterne ein Zwergenkönigreich, das am nächsten Tag verschwunden ist. Vieles deutet sich nur an, das Geschehen wird nüchtern berichtet, wer die Romane Hermansons kennt, mag vielleicht auf den ersten Blick, nach der ersten Lektüre leicht enttäuscht sein, weil das Spektakuläre hier versteckter, unaufgeregter daherkommt – aber gerade das ist schließlich auch eine Kunst.  
 

Charles Bukowski: Aufzeichnungen eines Außenseiters/Kaputt in Hollywod/Fuck Machine.

In diesem Monat fanden sich ja besonders viele Jugendromane in unserem Repertoire; nun Charles Bukowski (1920-1994) wird für gewöhnlich der Jugend nicht gerade empfohlen, von ihr aber sicher nicht minder gerne heimlich gelesen, umgibt ihn doch der Hauch des Verruchten. Die drei zusammen editieren Kurzgeschichtensammlungen sind denn auch die von Bukowski erwartbare verfickte Scheiße, um es mal in seinem Tonfall zu sagen. Der gebürtige, früh ausgewanderte  Andernacher ist bei einem Publikum beliebt, dass die eigene Postpubertät nicht abgelegt hat und sich in dem Pseudorebellentum toll findet, das Bukowski verachtet, und dass nicht tiefer blickt als auf die oberflächlichen Obszönitäten, die den Dichter zum Bürgerschreck machten – eine Attitüde, die ihn längst hätte ihn Vergessenheit geraten lassen, weil dies heute keine müde Maus mehr hinter dem Ofen hervorlocken würde. Bukowskis Radikalität liegt tiefer und ist gekonnter in ihrer Form, was schon daran ersichtlich ist, dass sein scheinbar äußerst beschränktes Themenfeld – Sex, Saufen und Gewalt in aller Drastik – zur eigenen Überraschung der Leser*innen nicht ermüdend wird, wie dies etwa Pornographen fast unausweichlich geschieht. Bukowski lebt Phantasien ungefiltert und ohne Eigenzensur aus, weiß aber, dass dies nur Konstruktion ist – Konstruktion für die Leser*innen. Wunderbar ironisch führt er dies nicht nur dadurch vor, dass er selbst meist der Protagonist seiner Geschichten ist, sondern auch auf der beliebten Metaebene in der Geschichte „Zwölf fliegende Affen, die nicht richtig kopulieren wollen“ (in „Fuck Machine“).                     




 

Dienstag, 28. August 2018

Das neue Buch: Radtouren für Langschläfer - Bodensee.


Nach den Wanderungen für Langschläfer rund um den Bodensee, nun die Radtouren für die Ausgeschlafenen von Vorarlberg bis Baden, Thurgau bis Hegau, für Profipedalritter bis gemütliche Fahrer*innen im Familienverbund, Flachstrecken bis Bergankünften, von der klassischen Tour bis zum Ausritt ins unbekannte Hinterland.  
Mit zahlreichen (selbstgemachten) Photos, Karten und zusätzlichen Tipps für Radler und Radlerinnen.  



Benedikt Grimmler: Radtouren für Langschläfer - Bodensee.
Silberburg: 2018.
 

Weitere Infos mit Bestellmöglichkeit gibt es hier:

http://bruckmann.de/titel-52067-radtouren_fuer_langschlaefer_bodensee_21.html

https://verlagshaus24.de/outdoor/rad/radtouren/radtouren-fuer-langschlaefer-bodensee

Freitag, 24. August 2018

Das Zitat zum Freitag.

 
"Das Wort, dem gewissenlosen Demagogen ausgeliefert, dem puren Taktiker, dem Opportunisten, es kann zur Todesursache für Millionen werden, (...) der politische Akzent solcher Beschwörungen und Erinnerungen, das Mahnende und Drohende, kommt aus dem Wissen, dass Politik mit Worten gemacht wird, dass es Worte sind, die den Menschen zum Gegenstand der Politik machen und ihn Geschichte erleiden lassen, Worte, die geredet, gedruckt werden, und es kommt aus dem Wissen, dass Meinungsbildung, Stimmungsmache sich immer des Wortes bedienen."

Heinrich Böll, Die Sprache als Hort der Freiheit
(Rede gehalten anlässlich der Entgegennahme des Eduard-von-der Heydt-Preises der Stadt Wuppertal 1958).


Montag, 13. August 2018

Lektüremonat Juli 2018.





Antoni Libera: Madame.

„Madame“, das späte Romandebüt des polnischen Autors Antoni Libera (geboren 1949) wurde vom internationalen Feuilleton mit teils enthusiastischem Lob überschüttet. Nun, wohl kaum, weil der Roman tatsächlich so brillant wäre, sondern viel eher, weil er einen bestimmten Typus von Kritikern ansprechen dürfte. „Bildungsprall“ wird die Geschichte eines Abiturienten genannt, der sich in seine junge geheimnisvoll-distanzierte Französischlehrerin verguggt und deren Vergangenheit ausforscht, bildungsprahlerisch wäre das treffendere Wort gewesen. Die völlig unglaubwürdige des Achtzehnjährigen Tausendsassas, einem Geistesvirtuosen, dem alles gelingt, vom Jazzkonzert mit der Schülerband bis zum improvisierten Alexandrinerdialog mit Schauspielgrößen, ist das, was man früher einen Stutzer nannte: ein mit seinem Wissen und Bildung jederzeit eitel daherstolzierenden Klugscheißer. Eine klassische Figur der Satire, nur glaubt Libera offensichtlich, so jemand sei keine Karikatur, sondern total sympathisch. Ist er nicht. Da der Text in Form und Sprache seine Hauptfigur zu imitieren sucht, wirkt er in vielem gestelzt, die wenigen interessanten Passagen – etwa zum Spanischen Bürgerkrieg – verschwinden hinter dem ständigen hochtrabenden Duktus des Virtuosen. Kommt hinzu, dass er selbst alles andere als virtuos ist, weder in Komposition und schon gar nicht in der Sprache. Drei kurze Beispiele, die – da extrem häufig – kaum nur auf die Übersetzung zurückzuführen sein dürften: „Ich hielt ein gefaltetes Blatt der ‚L’Humanité‘ vor mich und beobachtete sie weiterhin über dieses Presseorgan hinweg.“ Da tun einem manch‘ andere Organe weh. „Doch bald wurde mir schlecht, und durch die Kanalisation führte ich das Getränk wieder der Natur zu.“ Klingt im ersten Lesen recht amüsant formuliert, aber leider wächst Cognac nicht auf Bäumen, ist folglich kaum ein Produkt der Natur. „‘Aber was ist die Wahrheit?‘ stellte ich die Frage des Pilatus.“ Nein, tust Du nicht. Die Frage des Pilates war: Was ist Wahrheit? Mit Artikel ist das ein juristisches Problem, ohne ein wesentlich tiefgründigeres philosophisches, beides trennt Abgründe. Wenn man schon mit Bildung angeben möchte, wie etwa auch in den völlig willkürlichen ständigen französischen Einsprengseln, dann wenigstens richtig. Obwohl…viel erträglicher wird’s darum auch nicht.      


Alexander Bek: Die Ernennung.

Die titelgebende Ernennung ist eine Degradierung. 1956. Nach dem berühmten XX. Parteitag der KPdSU wird der Minister für Stahlerzeugung zum Botschafter der Sowjetunion ernannt, weggelobt, sozusagen. Eine ehrenhafte Aufgabe, aber doch eine ersichtliche Herabstufung. Warum? Minister Onissimow ist ein Technokrat, der in seiner Aufgabe aufgeht, er hat nicht unbedingt ideologisch-politischen Ehrgeiz, ist aber ein treuer Anhänger des Kommunismus. Gleichwohl gehört er nicht zu den rückgratlosen Jasagern im Umfeld Stalins – sofern es seinen eigenen Kompetenzen betrifft, wagt Onissimow durchaus Widerspruch trotz der Gefahren. Stalin weiß das durchaus zu schätzen, und so übersteht Onissimow sämtliche Säuberungen und die Angriffe Berijas, des brutalen Geheimdienstchefs, den er einst als dessen Vorgesetzter beleidigt hatte. Dies führt aber letztlich dazu, dass der Minister nicht unschuldig bleiben kann, Stalins Wort ist auch ihm Gesetz, selbst angesichts der Verfolgungen bis in die eigene Familie, selbst wenn Freunde dadurch in die Maschinerie des Gulags geraten und selbst, wenn er die technischen Vorgaben Stalins als falsch erkennt. Onissimow ist eine ungemein spannende Figur, obwohl er keineswegs sympathisch ist, er ist hart, teils ungerecht, versagt als Vater, letztlich eben doch unterwürfig, aber eben auch kompetent, eigensinnig, zu Freundschaften fähig und mehr als ein Duckmäuser, eine ambivalente Figur wie sie im totalitären Stalinismus typisch sein dürfte. Es verwundert nicht, dass Beks (1903-1972) Roman, der einen nüchternen Augenzeugenbericht aus dem Inneren der Sowjetunion liefert, dort nicht erscheinen durfte, dies war dann erst 1986 möglich. Die Erstausgabe war somit die bundesdeutsche Übersetzung von 1972, 1988 zog die DDR nach.


Wulf Kirsten: Die Schlacht bei Kesselsdorf./ Kleewunsch.

Ebenfalls in den 1980er Jahren in der DDR veröffentlicht wurde die beiden Prosastücke des ansonsten hauptsächlich als Lyriker erfolgreichen Schriftstellers Wulf Kirsten (geboren 1934). Der erste Text beschreibt genannte Schlacht des Jahres 1745 zwischen den Preußen und Sachsen, „Ein Bericht“ nennt sich der Untertitel zurecht, denn Kirsten nimmt keine literarische Stilisierung vor, sondern schildert den durch Inkompetenz der sächsischen Führung desaströsen Verlauf des Kampfes nüchtern wie ein Geschichtsbuch. Die damaligen Leser*innen durften sich also die klassische Frage stellen, was ihnen der Autor mit seiner Schilderung im Jahr 1984 in der DDR wohl sagen wollte? Dies gilt in gewissem Maße auch für den zweiten, wesentlich umfangreicheren Text über die kleine sächsische Ackerbürgerstadt Kleewunsch und ihre Bewohner*innen. Das „Kleinstadtbild“ stellt sich selbst in die Tradition der Satiren über Schilda, Krähwinkel und andere Spießbürgermetropolen, darin liegt aber leider auch seine Schwäche. Man hat all das schon mal gelesen, und man hat es schon mal besser gelesen. Als Parodie ist „Kleewunsch“ etwas zu altbacken, als Satire nicht bösartig genug. Insgesamt nur leidlich amüsant, tröstet hin und wieder das unbestrittene Sprachvermögen mit schönen Formulierungen über die zähe Lektüre hinweg.          


Heinrich Böll: Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze.

Heinrich Böll (1917-1985), einst der öffentliche Schriftsteller schlechthin, Literaturnobelpreisträger mit gesellschaftlichem Gewicht, scheint ein Schicksal zu drohen, als eine Art Restbestand der Bonner Republik museal zu werden oder noch schlimmer, in Vergessenheit zu geraten. Wer liest heute noch Böll? Der Band von 1961 versammelt Texte des Kölners fast ausschließlich aus den 1950er Jahren, denen zugegeben teils durchaus die zeitspezifische Angestaubtheit bereits anzumerken ist. Es lohnt sich aber gerade auch jene Geschichten und Aufsätze zu lesen, die heute eher als zeitdokumentarisch verstanden werden dürften – eben weil es sich um eine Zeit handelt, die manchen als rückerstrebenswert, als Epoche geordneter Verhältnisse gilt. Wer Böll liest, wird kaum dieser irrigen Meinung verfallen. Neben solchen Texten bleibt er trotzdem in vielem aktuell, die Mentalitäten der Menschen ändern sich vielleicht in der Form, aber selten im Inhalt. Und hier hat Böll immer noch viel zu sagen – abgesehen davon, dass man sich einen öffentlichen wagemutigen Intellektuellen, der über elitäre Kulturkreise hinweg wahrgenommen wird, auch in unseren Tagen wünschen würde.     

Dienstag, 31. Juli 2018

Das Zitat zum letzten Julitag.



"Nicht zu vergessen: Opfer werden unansehnlich. Es fällt immer leichter, sich nicht mit ihnen zu identifizieren, sie der eigenen Angst zu opfern. Alles wird möglich, wenn man Unrecht gesetzlich verankert. Und wenn man Unrechtsgesetze befolgt. Zum Schluss bleibt nur die Monotonie des Ungeheuerlichen, da Usus."
Peggy Parnass, Prozesse (1990)


Jeder dieser Sätze - insbesondere aber der zweite - ist aktueller denn je. Oder wohl einfach zeitlos gültig. Peggy Parnass, deren ungekürzte Gerichtsreportagen der Band versammelt, war - leider - ein Unikum in jenen Tagen (und ist es noch immer), eine Beobachterin, die sich für die Opfer und für das Unrecht in der Rechtssprechung, nicht für das Sensationelle und das Verurteilende interessierte. Und das in einer Zeit, von 1970 bis 1985, in der noch zahlreiche alte Parteigenossen über NS-Massenmörder milde Urteile fällten, während andererseits hysterische Politprozesse gegen vermeintliche linke Terrorsympathisanten wieder groß in Mode kamen, Polizeigewalt ein Kavaliersdelikt war und Homosexuelle und Abtreibungsgegner mit harten Strafen zu rechnen hatte. Manches hat sich geändert, manches verschärft. Parnass fühlte sich manchmal einsam und resigniert, wer die Reportagen liest, kann das gut nachvollziehen. Aufgegeben hat sie trotzdem nicht. Ein großes und mutiges Werk, dem man viele Leser*innen - und vor allem viele Nachfolger*innen wünscht!   



Montag, 23. Juli 2018

Mit Fräulein Annika unterwegs...zum Kloster Weppach.


 
Klöster sind am Bodensee, man weiß es spätestens seit Arno Borsts Klassiker Mönche am Bodensee, alles andere als eine Seltenheit. Doch Kloster ist nicht gleich Kloster und neben den Berühmtheiten wie Salem, St. Gallen, der Reichenau, Stein am Rhein oder der Bregenzer Mehrerau finden sich allerlei kleine Konvente, die nur den Einheimischen im Umkreis von zehn Kilometern und den Experten bekannt sind, von Bächen über Kalchrain, von Hermannsberg bis Tübach, von Langnau bis Grünenberg. Unser heutiges Ziel, Weppach, gehört, es wird niemanden überraschen, in die zweite Kategorie. Eine Umfrage hier in Konstanz, ob man schon einmal von Weppach gehört habe und wo dieses denn liege, ergäbe vermutlich desaströse Ergebnisse.

Nun, es liegt auf der anderen Seeseite – von Konstanz aus betrachtet – zugegeben gut versteckt im Wald zwischen Bermatingen und dem Deggenhausertal auf dem Gebiet der einstigen Herrschaft Heiligenberg. Fräulein Annika und ich machen uns folglich mit dem Seehänsele, dem Zug von Radolfzell nach Friedrichshafen, Teil der Bodenseegürtelbahn, auf nach Bermatingen, obwohl das eine Qual ist, wenn man vorher ständig mit der Schweizer Bundesbahn unterwegs war – aber das steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls kommen wir überraschenderweise doch irgendwann in dem Ort zwischen Salem und Markdorf an. Bermatingen gehörte seit 1390 zur benachbarten Zisterzienserabtei, da hatte das Dorf schon einige Jahrhunderte auf dem Buckel, erstmals genannt wurde es nämlich bereits 799, als der Herr Karl der Große auf dem Königsthron saß – Kaiser wurde er ja erst im Jahr darauf. Diverse Funde weisen darauf hin, dass Bermatingen allerdings noch um einiges älter sein dürfte, so fand man ein Grab vom Ende des 7. Jahrhunderts und zudem in der Kirche eine christliche Altarplatte, die in etwa auf 650 datiert wurde.

Die Kirche. Wenn man ins Zentrum des Ortes kommt, unzweifelhaft eines der schönsten im ganzen Linzgau, sucht man sie vergeblich. Tatsächlich liegt sie am Ortsrand, auf einem Hügelchen, früher ein eigener kleiner Ortsteil mit dem sprechenden Namen Pfaffenhofen. Auch diese Gebäudekombination fasziniert, denn hier steht neben einem sehr kräftigen spätgotischen Turm ein dreischiffiges Langhaus ebenfalls aus der Spätgotik, was für eine Dorfkirche sehr monumental ist. Kenner würden eine ehemalige Kloster- oder zumindest eine Wallfahrtskirche vermuten, doch hätten sie sich damit – ausnahmsweise – getäuscht. Bermatingen war weder das ein noch das andere, sondern schlicht die bedeutendste Pfarrei im Umkreis. Wie der Altarfund schon angedeutet hat, kann die Pfarrei – erst viel, viel später im 13. Jahrhundert urkundlich genannt – ein hohes Alter aufweisen. Lange Zeit war sie die Mutterkirche für Markdorf, Hagnau, Kluftern, Ahausen, Ittendorf, Kippenhausen, Immenstaad und Fischbach, kurzum für einen beträchtlichen Anteil des heutigen Bodenseekreises bis hinein ins Stadtgebiet von Friedrichshafen. Da kann man schon mal ein stattliches Kirchlein hinstellen, auch wenn die Pfarrei naturgemäß im Laufe der Jahrhunderte durch Auskopplungen immer mehr schrumpfte. Das Selbstverständnis der Urpfarrei Bermatingen repräsentiert auch in späterer Zeit noch das prächtige Pfarrhaus neben der Kirche, ein auffälliger Barockbau von niemand geringerem als Peter Thumb höchstpersönlich. Die nächste Überraschung erlebt, wer das Gotteshaus schließlich betritt: es ist über und über bemalt mit Fresken wiederum überwiegend aus der Spätgotik, in dieser Fülle – und dem teils sehr guten Erhaltungszustand – auch im an Fresken reichen Bodenseeraum eine Seltenheit. Auch der Rest der Ausstattung, darunter viele sehr schöne Marienstatuen, würde, neben dem Eindruck der Hallenkirche, den Besuch schon lohnen.

Obwohl das ja eigentlich gar nicht unser Ziel ist, woran mich Fräulein Annika erinnert. Wir sind also im Zentrum von Bermatingen, wo zwar die Kirche fehlt, aber dafür dem Fachwerkliebhaber alles geboten wird: die Sparkasse, das Rathaus, der gegenüberliegende Gasthof Zum Adler, große, geräumige Fachwerkbauten, umgeben von zahlreichen Wohnbauten mit nicht weniger Holzschmuck. Am auffälligsten sind naturgemäß das Rathaus mit seinem Dachreiter und dem in die Straße hineinragenden Säulengang sowie das erwähnte Gasthaus, am Wappen erkennbar als früherer Amtsitz des Salemer Verwalters. Die Gebäude sind alle frühneuzeitlich, denn 1590 wütete im Ort ein verheerendes Feuer, das wenig übrigließ von den Vorgängerbauten, was zum schmucken einheitlichen Gesamtbild beiträgt. Gestört wird dieser heimelige Eindruck aber durch den Auto- und LKW-Verkehr, der sich in nicht weniger Zahl und genau mitten durch das Ortszentrum hindurchschiebt. Selten hatte man so sehr das Gefühl, dass ein Ort eine Umgehung verdient hätte – und dafür gibt es noch einen zusätzlichen Grund. 1975 hat man im Autofahrerland – gemeint sind die Bundesrepublik im Allgemeinen und Baden-Württemberg im Besonderen – das Kunststück vollbracht, die spätbarocke Laurentiuskapelle im Ort, die 1780 eine Vorgängerin aus dem Spätmittelalter ersetzte, tatsächlich als Engstelle zu betrachten und kurzerhand abzureißen. Eine Umgehung wurde damals unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass im Süden bald ohnehin die neue Autobahn vorbeiführen würde. Nun, diese Autobahn wurde – zum Glück – nie gebaut, und, zweite abstruse Folge der Abrissaktion, die Ortsdurchfahrt blieb eng wie eh und je, denn auch noch das Rathaus abzubrechen oder zumindest durch Rückbau zu verstümmeln, hat man sich dann doch nicht getraut. Den Bermatingern darf man zugute halten, dass viele den Verlust der Kapelle damals wie heute betrauern. Zu Recht, nicht nur, weil, wie erwähnt, der einzig positive Nebeneffekt, der bessere Verkehrsfluss, nie eintrat, sondern weil man dafür sinnloserweise ein Schmuckstück geopfert hatte, wie jeder erahnen kann, der sich allein nur die in die Pfarrkirche geretteten Ausstattungstücke vor Augen führt.


Über dem Weppachbach
Es nützt ja nichts, die Kapelle ist auf immer perdu. Wir verlassen, sobald wir es über die Straße geschafft haben, den Schauplatz dieser Freveltat und genießen lieber die noch vorhandenen Fachwerkhäuser, die sich auch entlang der Straße ortsauswärts in Richtung Deggenhausertal aneinanderreihen. Besonders auffällig ist ein Gebäude kurz vor dem Ortsrand rechts, wo Fachwerk ringsum schon seltener geworden ist. Dem laienhaften Blick nach scheint es nicht nur ein hohes Alter zu besitzen, es sieht auch schwer nach einer Mühle aus. Auf den zweiten Blick bestätigt dies der an der Fassade angelehnte Mühlstein, doch fehlt noch immer eine grundsätzliche Voraussetzung: ein Bach. Eine Hinweistafel verifiziert zumindest schon mal, das es sich um die Salemer Mühle handelt – und auch der Bach taucht kurze Zeit darauf auf, beziehungsweise verschwindet er, da wir uns gegen die Fließrichtung bewegen, unter der Oberfläche, er wurde kanalisiert. Mit ihm verlassen wir Bermatingen und die Straße, kurz darauf verzweigen sich der Bach – genaugenommen fließen zwei Bäche ineinander – und mit ihnen teilt sich der Weg. Wir gehen rechts hoch in den Wald, denn dort liegt der Weiler Weppach.

Wie im Bodenseeraum üblich, schneiden sich die Gewässer, seien sie noch so klein, sehr tief in die Molasse, den weichen Sandstein der Region, ein, schnell geht es da gleich mal um mehrere zehn Meter hinunter. Für uns dagegen geht es an jenem engen Tal entlang bergauf in großer Kurve. Besagtes Gewässer hat übrigens den faszinierenden Namen Weppachbach, was einem ein bisschen redundant vorkommt und zu der Überlegung führt, ob der Wald um das Kloster Wald bei Pfullendorf Waldwald heißt oder die Seen um das Kloster Irsee bei Kaufbeuren Irseeseen. Der Weiher bei Marienweiher – noch ein Kloster, aber in Oberfranken – heißt jedenfalls nicht Marienweiherweiher, aber der Weppachbach Weppbachbach. Diesen trübseligen Gedanken nachhängend kommen wir schließlich, an ein paar freundlichen Waldarbeitern vorbei, die mit ihrem schweren Gerät den Weg ordentlich zermatscht haben – wovor immerhin gewarnt wird – auf die Lichtung des Weilers Weppach, dem Überbleibsel des einstigen Klosters.

Der Weiler Weppach
Dessen Ursprünge sind unbekannt, genauer: legendär. Ein Reisender soll sich hier verirrt, die heilige Anna um Hilfe gebeten und nach erfolgter Rettung an der Stelle, die er durch seinen Stock vorher gekennzeichnet hatte, einen Bildstock errichtet haben. Die heilige Anna als Nothelferin anzurufen ist recht ungewöhnlich, zumindest nicht unbedingt naheliegend, es sei denn man setzt einen persönlichen Bezug des Reisenden zu ihr voraus. Wie auch immer, das Kloster war später der Mutter Marias geweiht und womöglich liegt hierin die nachgetragene Erklärung. Die Gründungslegende, datiert auf das Jahr 1202, entspricht einem gängigen Muster, ihre Fortsetzung vermischt dann schon deutlicher Tatsächliches mit üblichen Motiven. Der Bildstock wurde ein beliebtes Pilgerziel, dazu fand sich bald in der Nähe eine Quelle mit vermeintlicher Heilkraft. Eine aussätzige Dame edler Abkunft habe sich dann dort niedergelassen, um – erfolgreich – von deren medizinischen Nebenwirkungen zu profitieren, ihr folgten andere Kranke. Um deren Betreuung kümmerten sich fortan Beginen, also fromme Frauen, die in einer ordensähnlichen Gemeinschaft lebten. Hier dürfte spätestens der historische Kern der Geschichte einsetzen, denn die Beginengemeinschaft existierte nachweislich und die Gründungslegende berichtet hier etwas, was gewöhnlich für diese Art Erzählung nicht zielführend ist, nämlich einen Misserfolg: das nachlassende Interesse der Kranken an der Heilquelle. Die Beginen aber blieben trotz fehlender Pilger vor Ort, der ihren Bedürfnissen entsprach: Abgeschiedenheit – wie noch heute der Fall – zur Kontemplation. 1384 ist die Sammlung, wie man solche Gemeinschaften nannte, urkundlich belegt, ab 1400 kommt es immer wieder zu Schenkungen. Die Beginen waren von der Kirche nie so recht anerkannt, jedenfalls beäugte man sie mal wohlwollend, mal – wesentlich öfter – misstrauisch. Selbständige Frauen waren immer verdächtig. Und so suchte man sie – in den besseren Zeiten – einer anerkannten Ordensgemeinschaft zuzuführen, in unserem Fall den Franziskanern aus dem nahen Überlingen. Dadurch wurden aus den Beginen sogenannte Terziarinnen, also „Drittordensschwestern“, zu unterscheiden vom anderen weiblichen Zweig des Franziskanerordens, den Klarissen. In schlechteren Zeiten wurden Beginen – und ihre männlichen Gegenstücke, die Begarden, noch mehr – auch als Ketzer verfolgt, hier im Bodenseeraum, wo sie sehr häufig waren und viele spätere Klöster auf Beginensammlungen zurückgehen, war dies zum Glück kaum der Fall.
Vor der ehemaligen barocken Klosterkirche.
Unter dem Kloster Weppach hat man sich keine prächtige Anlage wie im benachbarten Salem, auch keine große Ordensanlage wie im städtischen Überlingen bei den erwähnten Franziskanern vorzustellen, sondern eine kleine Kirche mit Ordenshaus, dazu später ein paar Ökonomiegebäude, beziehungsweise noch viel später ein Beichtvaterhaus. Solche Klöster existieren noch zum Beispiel auf der Schweizer Seeseite hoch oben in Grimmenstein oder Wonnenstein im Appenzeller Land – auch dort auf frühere Sammlungen frommer Frauen zurückgehend, später umgewandelt in Kapuzinerinnenkonvente. Die Weppacher Gründung gedieh recht gut, auch wenn – oder weil – hier nur jeweils an die zehn oder zwölf Nonnen wohnten. Selbst den Bauernkrieg scheint man gut überstanden zu haben, trotz der Nähe zu Bermatingen, dem Zentrum des „Bermatinger Haufens“. Aber der gab sich ja ohnehin je nach Standpunkt eher kompromissbereit oder kompromisslerisch, was nicht unbeträchtlich zum Scheitern des Bauernkrieges in der Region beigetragen hat. Ich solle nicht vom Thema abkommen, mahnt Fräulein Annika – und sie hat ja recht. Schlimm kam es für das Kloster erst im Dreißigjährigen Krieg, wo die Schweden mehrfach plünderten, dazu nahmen dann auch noch durchziehende bayerische Soldaten – an und für sich Verbündete – mit, was diese vergessen hatten. Die Schwestern flohen ins fürstbischöfliche Markdorf oder gleich hinüber nach Konstanz. Der Wiederaufbau gelang jedoch und wurde um 1780 mit dem Bau – oder der Renovierung – einer neuen Klosterkirche gekrönt. An der konnten sich die Klosterfrauen allerdings kaum mehr 25 Jahre erfreuen, 1803 wurde der Konvent vom neuen Landesherrn, dem Fürsten zu Fürstenberg, aufgelöst, die Nonnen dürften aber dort wohnen bleiben, bis die letzte von ihnen 1828 verstarb. Mit ihrem Ableben war auch das Schicksal der Gebäude besiegelt: das Ordenshaus wurde abgebrochen, das Beichtvaterhaus zum Bauernhof, die Kirche ausgeräumt und zur Scheune, später zum Wohnhaus umfunktioniert. Aus dem Kloster Weppach wurde das Einzel Weppach.



Deutlich sind die Abbruchkanten des Chores zu erkennen.


Und so ist es noch heute. Die Lage ist ein Idyll, damals wie jetzt. Dazu trägt das noch vorhandene Ensemble durchaus bei, auch dessen Gastfreundlichkeit – man bekommt hier auf Verlangen Getränke gereicht. Gleichwohl stimmt einen die profanierte Kirche – schon auf den ersten Blick als solche zu erkennen – natürlich etwas melancholisch. Versöhnlich immerhin, dass sie hübsch renoviert ist. Um das frühere Eingangsportal und die Fenster erkennt man noch Überreste von Zeichnungen und Einritzungen des barocken Dekors, das diese einst umgab. Im Innern, das wir leider nicht besichtigen konnten, soll es ebenfalls einige Spuren von Malereien geben. Wer um das Gebäude herumläuft, dem fällt auf der Rückseite der deutliche Mauerabbruch auf, der den früheren, abgebrochenen Chor markiert. Das also ist geblieben von über vierhundert Jahren Klosterleben auf der Weppacher Lichtung, und bevor uns die Wehmut gänzlich überfällt, flüchten auch wir wie einst die Nonnen ins benachbarte Markdorf. Fräulein Annika fragt sich mit gutem Grund, warum wir nicht ein lebendiges Kloster besuchen, schließlich wäre das ein vernünftiger Ausgleich, und da Grimmenstein und Wonnenstein ohnehin schon erwähnt wurden...? Wie immer hat sie natürlich recht – und wer wäre ich, ihr diesen Wunsch nicht zu erfüllen?

Donnerstag, 5. Juli 2018

Lektüremonat Juni 2018.

 
William Shakespeare: Sonette.

Kann man immer wieder und wieder lesen. Mehr braucht man nicht zu sagen. Sollte man jemals jemanden treffen, der Shakespeares Sonette doof findet, einfach aufstehen und grußlos gehen.  


Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch – Amerika.
Der Theaterschauspieler Joachim Meyerhoff (geboren 1967) zählt derzeit zu den erfolgreichsten Schriftstellern des deutschsprachigen Raumes. Lesungen seiner autobiographischen Romane füllen Säle, die Auflage des vorliegenden Taschenbuches ist die 29. (von 2015). Ersteres hat sicher auch mit der Vortragskunst – oder teils szenischen Umsetzung als Einmannstück – Meyerhoffs zu tun, doch könnte die die Leser*innen kaum über schriftstellerische Defizite hinwegtäuschen – wenn es sie denn gäbe. Meyerhoffs Berichte stehen deutlich in der Tradition jüngerer Erfolge wie denen von Sven Regener und dem ersten Buch dieses Jahres, Thommie Bayers „Das Herz ist eine miese Gegend“, und sind eben ähnlich lustig-melancholisch zu lesen. Im ersten Buch der noch nicht vollendeten Reihe befindet sich der Protagonist auf einem einjährigen Sprachaustausch – der kein Austausch ist – im ländlichen Amerika der 1980er Jahre. Das Bemerkenswerte ist allein hier, dass Meyerhoff nicht den überlegenen Europäer gibt oder unreflektiert US-Klischees abspult, auch nicht das Gegenteil überwältigter Begeisterung, sondern er sich die neugierige Aufgeschlossenheit des Jugendlichen erhält. Der seltsame Titel des Romans geht darauf zurück, dass der Aufenthalt in den USA durch ein schreckliches Ereignis in der Heimat unterbrochen wird.  
 
Inge Meyer-Dietrich: Plascha.
Die deutschsprachige Jugendliteratur hat insbesondere, wenn sie sich mit historischen oder zeitgeschichtlichen Themen befasst, zahlreiche viel zu wenig beachtete Meisterwerke hervorgebracht, die nicht nur in der Schule, sondern viel öfter und auch gerade von Erwachsenen gelesen werden sollten – mehr denn je. Genannt seien nur Willi Fährmanns „Es geschah im Nachbarhaus“, Hans Peter Richters „Damals war es Friedrich“, die drastischen Romane Gudrun Pausewangs wie „Die Wolke“, Ingeborg Engelhardts „Hexen in der Stadt“ und viele, viele mehr. In diese Tradition gehört auch der mehrfach mit Preisen aufgezeichnete Roman „Plascha“ (1988) von Inge Meyer-Dietrich (geboren 1944) über eine polnischstämmige Familie im Ruhrpott des Ersten Weltkriegs und der anschließenden Revolutionszeit – die Geschwister und ihre Nachbarn haben nicht nur mit der Abwesenheit des Vaters, Hunger und Not aufgrund der schlechten Versorgungslage, Anfeindungen als ‚Polacken‘ seitens der Nationalen und den schwierigen Arbeitsbedingungen der Kumpel zu kämpfen, ihnen bleiben auch die Hoffnung auf eine Verbesserung der Zustände durch die Republik, vor allem aber auf die Rückkehr des Vaters verwehrt.     
 
J.B. Priestley: Time and the Conways and other Plays
Hier wurden schon öfters Dramen aus der großen Zeit des britischen Theaters ab den 1960er Jahren besprochen – siehe Peter Shaffer, Tom Stoppard. Ihren Erfolg haben die einst jungen Theaterautoren gewissermaßen einem Mann zu verdanken, J.B. Priestley (1894-1984), der vor ihnen die Bühnen beherrschte und von dem sie sich abgrenzten. Priestley war ein ganz klassischer Bühnenautor, der noch die aristotelische Einheit von Zeit, Raum und Handlung einhielt und das bürgerliche Milieu bevorzugte. Handlung war an und für sich schon übertrieben – mehr als Gespräche fand kaum statt. Gleichwohl war ein Priestley ein geschickter Dramatiker mit Tiefgang, sein Erfolg kam nicht von ungefähr. Das titelgebende Stück hat eine raffinierte Struktur. Wir sehen die gleichen Menschen am gleichen Tag im ersten Akt – im zweiten Akt zwanzig Jahre später – und mit dem Wissen hierum noch einmal im dritten Akt. Mystisches vermischt sich mit Rationalem in „I have been here before“, in „The Linden Tree“ geht es um die Frage, wann der richtige Zeitpunkt kommt, um aufzuhören – und ob es diesen überhaupt gibt. Das vielleicht stärkste Stück „An Inspector Calls“ verhandelt die Schuld jedes Einzelnen an seinen Mitmenschen und wie man damit umgeht – Priestley zeigt sich hier wenig optimistisch. Das Stück verdient die Wiederaufnahme auf den Bühnenanstalten.   
 
Alexander Ebanoidse: Hochzeit auf imeretisch.
Der junge, recht erfolglose Bildhauer Lado wird in sein Heimatdorf in Imeretien, einer Landschaft Georgiens, bestellt, wo man ihn – den vermeintlich berühmten Künstler – beauftragt, ein repräsentatives Denkmal für die Gemeinde zu schaffen. Inspiriert von einem hübschen jungen Mädchen, dessen Familie er überreden kann, ihm Modell zu stehen, beginnt Lado sein Werk. Durch mehrere kleinere Schaffenskrisen hindurch vollendet er schließlich die Figur, die nun gemeißelt werden soll. Doch dem Künstler stellt sich plötzlich ein ganz anderes Problem: wie selbstverständlich gehen alle Dorfbewohner davon aus, dass Lado – schon aus Anstandsgründen – sein Modell heiraten wird. Eine Ablehnung akzeptieren sie nicht, Lado unternimmt alles, um der Zwangsverheiratung zu entgehen… Unterhaltsamer Roman des georgischen Schriftstellers Alexander Ebanoidse (geboren 1939), zum Ende hin etwas zäh, aber insgesamt aufgrund der Figurencharakterisierungen recht amüsant.
 
Wladimir Tendrjakow: Sechzig Kerzen.
In der aus einem kleinen Dorf hervorgegangenen Sowjetstadt Karassino wird ein Jubiläum gefeiert: der 60. Geburtstag Nikolai Jetschowins, der damit der älteste Lehrer der Stadt ist. Glückwünsche von allen Seiten treffen ein, doch darunter ist auch ein Brief eines ehemaligen Schülers, der Jetschowin die Schuld an seinem verpfuschten Leben gibt und ihm als Rache hierfür den baldigen Tod ankündigt. Jetschowin gerät ins Grübeln, wem er solch ein Leid zugefügt haben könnte, dass dieser Mensch so drastisch reagiert. Wie ernst ist das zu nehmen? Schwankend zwischen Mut und Verzweiflung blickt Jetschowin auf seine Fehler zurück. Ein Scherz war das Schreiben keineswegs, wie sich bald herausstellt – doch von wem kann der Lehrer Hilfe erwarten? Typischer Tendrjakow, der der eigenen Schuld am Handeln gegenüber Anderen nachgeht, den ungewollten und gewollten Verletzungen der Mitmenschen mit ihren weitreichenden Folgen. Es überrascht immer wieder, wie frei Tendrjakow seine wenig optimistischen Texte in der Sowjetunion publizieren konnte, möglich war dies nur in sogenannten Tauwetterperioden, denn die Romane und Erzählungen entsprechen nur stilistisch dem sozialistischen Realismus – was sich positiv auf die Lesbarkeit auswirkt – inhaltlich sind sie davon weit entfernt.     
 
Marie Hermanson: Himmelstal.
Die beiden eineiigen Zwillinge Max und Daniel sind sich nur äußerlich ähnlich: nach der Trennung der Eltern unabhängig voneinander aufgewachsen und erzogen, haben sie wenig gemein. Max ist ein aufschneiderischer, wenig zimperlicher Typ und dadurch äußerst erfolgreich, Daniel eher bieder, ein braver Dolmetscher mit Karriereknick und privatem Missgeschick. Man hat sich wenig zu sagen und sieht sich selten. Umso überraschender erhält Daniel Nachricht von Max mit der dringenden Bitte, ihn in der Schweiz zu besuchen, wo er sich in einer abgelegenen Reha-Klinik gerade von einem Burnout zu erholen scheint. Dort angekommen, stellt sich bald heraus, dass Max‘ Probleme weitaus anderer Natur sind als reine Überarbeitung. Er bittet Daniel um einen Gefallen: er solle als Max einige Tage dessen Rolle spielen, damit dieser die Klinik – was verboten ist – verlassen kann. Nur widerwillig lässt sich Daniel darauf ein. Doch sein Bruder kommt nicht wie versprochen nach wenigen Tagen zurück und das ist nicht das einzige, was Max Daniel verheimlicht hat. Ein klassischer Roman der großartigen Marie Hermanson (geboren 1956), in dem natürlich nichts so ist, wie es erscheint, selbst dann nicht, wenn man glaubt, das Schema zu erkennen. Alle paar Seiten ändert sich die Richtung. Ungewöhnlich für Marie Hermanson ist allenfalls, dass sie die Grenzen des Genres Thriller hier kaum verlässt. Das ändert aber nichts an dem intelligenten, unglaublich spannenden Geschehen – wie man es von der Autorin gewohnt ist.
 
Junichiro Tanazaki: Insel der Puppen.
Ein anschauliches Beispiel für die Probleme kulturellen Transfers bietet Junichoro Tanazakis (1886-1965) Roman „Insel der Puppen“. Obwohl am westlichen Schreiben geschult, richtet sich der Text anders als der zeitgenössischer japanischer Autoren nicht vorrangig an ein internationales Publikum – auch wenn Tanazaki schon zu Lebzeiten von diesem gelesen wurde. Denn der Plot ist durchaus international: ein Ehepaar hat sich auseinandergelebt und willigt in gegenseitigem Einverständnis in die Scheidung ein, was gesellschaftlich noch problematisch ist – der Roman entstand 1929 – vor allem aber finden die beiden nicht den Mut, den Schritt endgültig zu vollziehen, jeder findet neue Ausreden, um das Unvermeidliche zu vermeiden. Eine Lösung findet sich letztlich nicht. Für westliche Leser*innen stellt der Text aber höchste Ansprüche aufgrund des Kontextes, der vielen historischen und kulturellen Hintergründe, aber auch der Übersetzung. Riten, Kleider, Traditionen spielen eine große Rolle, dazu das japanische Puppentheater mit seiner für das Land großen Bedeutung, außerdem zahlreiche Nuancen des Soziallebens in den 1920er Jahren, die einem Europäer unbekannt sein dürften und somit wie vieles andere entgehen – was mehr als bedauerlich ist. Das kurze erklärende Lexikon am Ende hilft da nur über die gröbsten Fragen hinweg. Auch der Übersetzer – kurioserweise wurde aus dem Amerikanischen übersetzt, sofern es sich da nicht um einen Druckfehler handelt – gerät in Schwierigkeiten. So ist davon die Rede, dass der Sohn des Ehepaares gegenüber seinem Onkel plötzlich in einem Osakadialekt spricht. Für uns ist schon nicht klar, was dies nun genau zu bedeuten hat – dass der Sohn damit aufschneidet, wird kurz erwähnt – vor allem aber spiegelt der Text dies nicht wieder: obwohl oft unterschiedliche Dialekte Erwähnung finden, wird ständig hochdeutsch gesprochen. Ob man hier eine bessere Lösung hätte finden können? Insgesamt macht dies alles den Roman zu einem eher zähen Lesevergnügen, sofern man sich nicht sehr eingehend mit japanischer Kultur befasst. Was vielleicht nicht der schlechteste Anlass wäre.    

Mai 2018